Husten beim Pferd

Der plötzliche Wetterumschwung von Herbst auf Winter ist vollzogen und schon hört man aus den Boxen, der Halle oder auf der Koppel Pferde husten. Die Palette der Symptome reicht von einem kurzen Abhusten beim ersten Antraben über ständiges Husten beim Heufressen und eitrigem Nasenausfluss bis zur Pressatmung.

In Pferdekreisen heißt es, dass es bei chronischen Atemwegsbeschwerden kaum mehr Chancen auf Besserung gibt. Also mit chronischem Husten beim Pferd abfinden? Nicht unbedingt, denn gibt viele Möglichkeiten, Probleme der Atemwege zu behandeln! Im Folgenden eine Zusammenfassung zum Thema Lunge, Prävention von Atemwegsproblemen sowie zur Fütterung natürlicher Kräuter als Unterstützung bei Pferdehusten.

Wie erkenne ich Probleme der Atemwege bei meinem Pferd?

Einige Lungenproblematiken fallen sowohl im Ruhezustand als auch in der Belastung auf. Schon im Ruhezustand kann die Atemfrequenz des betroffenen Pferdes erhöht sein. Das Pferd pumpt/presst regelrecht die Luft aus der Lunge bis bei schweren, chronischen Lungenerkrankungen eine Art Muskelrinne eine so genannte „Dampfrinne“ äußerlich sichtbar wird. Eitriges Nasensekret kann ein weiteres Zeichen für eine Infektion im Respirationstrakt sein.  

Nachfolgend eine Liste von Anzeichen möglicher Probleme der Atemwege:

  • Nasenausfluss ein oder beidseitig, der nicht klar ist (gelb, eitrig)
  • Klarer Nasenausfluss der über einen längeren Zeitraum anhält
  • Erhöhte Atemfrequenz über 15 Atemzüge pro Minute im Ruhezustand
  • Husten sporadisch bis häufig
  • Reizhusten bei bereits geringen Staubvorkommen
  • Husten bei Stimulation des Kehlkopfes
  • Leistungsabfall (je nach Schweregrad und Disziplin)
  • Längere Regenerationsphase
  • pathologische Atemgeräusche
  • Fieber
  • Kurzatmigkeit und Atemnot


Nicht alle Faktoren treten gleichzeitig auf. Es gibt durchaus Störungen der Atmung, welche genetisch bedingt bzw. angeboren sind. Die häufigsten Erkrankungen der Bronchien und Lungen sind die akute Bronchitis und in weiterer Folge die chronisch obstruktive Bronchitis (COB). Letzteres wird nach Gerber & Straub in zwei unterschiedliche Erkrankungen unterteilt. Die IAD (inflammatory airway disease) kann unklare bzw. multifaktorielle Ursachen haben, alle Altersgruppen betreffen und ein bestimmtes klinisches und zytologisches (Blutbild) Krankheitsbild zeigen. Sie zählt als leichtgradige COB. Zur mittel- bis hochgradigen COB zählt die RAO (recurrent airway obstruction). Betroffen sind meist ältere Pferde über 7 Jahren. Diese zeigen asthmaartige Symptome sowie spezielle Entzündungsparameter. Gerber & Straub beschreiben dazu ebenfalls Krankheitsbilder, welche kaum Hustenanfälle oder nur leichtes Hüsteln aufweisen. Jene Fälle sind gekennzeichnet durch vorwiegend starken Leistungsabfall und benötigen zur Bestimmung der Erkrankung eine Bronchoskopie. Eine eindeutige Diagnose erstellt der Veterinärmediziner bzw. die Veterinärmedizinerin deines Vertrauens!


Was sind die Ursachen für Erkrankungen der Bronchien und Lungen bei Pferden?

Generell kann man die Faktoren, welche zu Erkrankungen der Atemwege führen, in exogene (äußerliche) und endogene (innerliche) einteilen.

Exogene Faktoren sind:

  • Mechanisch durch Staub oder Rauch
  • Thermisch durch Stallbrand oder Kälte
  • Chemisch durch Ammoniak
  • Infektiös durch Viren, Bakterien, Pilze und/oder Parasiten
  • Immunogen durch Pilze und Milben

Endogene Faktoren sind:

  • Herz-Kreislauf Probleme
  • Toxine (Gifte)
  • Metabolische Entgleisung
  • Metastatisch durch einen Tumor oder eine Infektion


Die häufigsten Ursachen liegen allerdings an einer suboptimalen Haltung und Fütterung von Pferden. Schlechte Belüftung in Stallungen, erhöhte Ammoniakkonzentration gepaart mit Einstreu oder Raufutter aus schlechterer Qualität, ergeben meist eine zu hohe Belastung des Immunsystems und der Lunge. Eine akute Bronchitis ist die mögliche Folge. Wird diese nicht vollständig ausgeheilt, kann die Entzündung chronisch werden (IAD). Husten, Nasenausfluss oder Leistungseinbußen sollten daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden!

Wie kann man Atemwegsprobleme vermeiden bzw. das betroffene Pferd unterstützen?

Prävention ist die beste Medizin! Die Haltungsbedingungen von Pferden sollten optimiert und das Grundfutter von bester Qualität sein. Regelmäßige Entwurmungen, die Stärkung des Immunsystems und des Stoffwechsels sowie eine an den Bedarf angepasste Fütterung inklusive Mineralstoffversorgung bildet die Basis für ein gesundes Pferd. So kannst du die Atemwege deines Pferdes präventiv entlasten:

Staubarme Umgebung beim Reiten

Reite öfters am Außenplatz oder erst nach Bewässerung des Hallenbodens!

Staubarme Einstreu

Achte auf hohe Qualität der Einstreu (Staubbildung durch Schimmel ist besonders gefährlich) oder wechsle auf staubarme Grundstreuarten wie Strohpellets oder Waldbodeneinstreu.

Staubarmes Grundfutter

Achte auch hier auf beste Qualität! Vor allem RAO-Pferde sollten nicht in Kontakt mit Allergenen wie Futtermilben oder Schimmelsporen kommen. Du kannst das Heu auch bedampfen (Achtung: Bitte gleich nach dem Bedampfen füttern!) oder 10 Minuten in Wasser komplett einlegen (Achtung: Bitte nicht länger als 30 Minuten im Wasser stehen lassen und gleich füttern!).

Gute Belüftung und viel an der frischen Luft

Wenn dein Pferd nicht im Offenstall gehalten wird, wäre eine Außenbox bzw. Paddockbox mit viel frischer Luft zu empfehlen. Ist dies nicht möglich, achte darauf, dass häufig gelüftet und gemistet wird. Täglicher Koppelgang bietet nicht nur eine verbesserte Situation für die Lunge deines Pferdes sondern auch Abwechslung, Training und Lebensfreude für deinen Liebling!

Staubarme Stallarbeit

Beschränke die Stallarbeit (Misten, Füttern, Einstreuen) auf die Zeit, in der die Pferde auf der Koppel bzw. außerhalb des Stalles sind. Staub hält sich noch längere Zeit nach dem Aufkehren in der Luft auf, auch wenn du ihn nicht sehen kannst. Du kannst vor dem Zusammenfegen die Stallgasse bewässern, um die Staubpartikel zu binden!

Ammoniak reduzieren

Miste mehrmals täglich aus oder überlege dir eine Lösung (Einstreu mit natürlicher Rotte, Pinkelplätze), die weniger Ammoniakbildung erzeugt.

Kräuter zur Unterstützung bei Pferdehusten

Zur Unterstützung der oberen Atemwege sind Kräuter, die Wirkstoffgruppen wie Saponine, Flavonoide, Schleimstoffe und Ätherische Öle enthalten, besonders geeignet. Saponine verstärken den Auswurf von Schleim und machen ihn dünnflüssiger (erleichtern das Abhusten und Schleimlösen). Sie stärken die Bronchialmuskulatur und die Bewegung des Flimmerepithels. Schleimstoffen werden antiphlogistische (entzündungshemmend) und reizlindernde Wirkungen zugesprochen. Bei Flavonoiden wurden u.a.  antiphlogistische, antimikrobielle, antivirale, antioxidative und spasmolytische (auswurfsfördernde) Wirkungen beobachtet.  Ätherische Öle wirken ebenfalls auswurffördernd, antiseptisch und entzündungshemmend.

Eine Reihe von Kräutern erfüllen die oben genannten Kriterien und wirken zusätzlich bronchienerweiternd. Sie werden vorwiegend bei Katarrhen (Schleimhautentzündung der Atmungsorgane) und Infekten der Atemwege eingesetzt. Ein paar Beispiele wären: 

Anis

Das Besondere an Anisfrüchten ist der hohe Anteil an ätherischen Ölen (2-6%). Der Frucht wird eine auswurffördernde, schwach spasmolytische (krampflösend), karminative (blähungstreibend), antibakterielle, antimykotische (gegen Pilze) und antivirale Wirkung zugeschrieben.

Thymian

Thymian enthält unter anderem 1-2,5% ätherische Öle. Diese spielen als Expektorans (schleimlösendes Hustenmittel) und Bronchospasmolytikum (Bronchien entkrampfend) bei akuten und chronischen Bronchitiden sowie bei Katarrhen der oberen Luftwege eine bedeutende Rolle.

Echter Eibisch

In der Wurzel sind 10-20% Schleimstoffe enthalten sowie Pektine. Die Schleimstoffe bilden im speziellen eine schützende Schleimschicht im Mund- und Rachenbereich und zeigen dadurch eine hustenreizmildernde Wirkung.

Süßholz

Einer der wichtigsten Bestandteile in der Süßholzwurzel sind Saponine. Eines der Saponine ist Glycyrrhizin, welches in der Veterinärmedizin bei Entzündungen der Bronchien bei Pferden (sekretlösend und auswurfsfördernd) zur Anwendung kommt.

Echter Salbei

Der echte Salbei enthält unterschiedliche ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide. Besondere Wirksamkeiten des echten Salbei sind antiviral, antibakteriell, spasmolytisch (entkrampfend) und aufgrund der Bitterstoffe appetitanregend.

Echte Kamille

Die echte Kamille enthält Schleimstoffe, einen geringen Anteil an ätherischen Ölen sowie Flavonoide. Die Verwendung der Kamille ist traditionell bekannt als entzündungshemmende, antimikrobielle und verdauungsfördernde Unterstützung des Körpers. In der Veterinärmedizin findet sie weitere Einsatzgebiete, wie zur Wundheilung, als Radikalfänger und zur Förderung des Abhustens.

Verfasserin: Bianca Becker-Slovacek am 24.01.2018

Unser Tipp: Prävention ist die beste Medizin! Gestalte die Umgebung deines Pferdes schon vor dem ersten Husten „lungenfreundlich“!


Quellenverzeichnis

Gerber, V., Venner, M., & Straub, R. (2016). Pferdekrankheiten: Innere Medizin (2. Auflage Ausg.). (V. Gerber, & R. Straub, Hrsg.) Bern: utb.
Pahlow, M. (2013). Das große Buch der Heilpflanzen. Hamburg: Nikol Verlag.
Reichling, J., Gachnian-Mirtscheva, R., Frater-Schröder, M., Di Carlo, A., & Widmaier, W. (2008). Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. Berlin-Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

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