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Hagebutte

Hagebutten (Rosae fructus) sind die Sammelnussfrüchte verschiedener Wildrosenarten. Die leuchtend roten, herb-sauer schmeckenden Früchte haben es in sich. Sie enthalten reichlich Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, stärken das Immunsystem, fördern den Stoffwechsel und können Gelenksschmerzen lindern.

Wo kommt die Hagebutte her, und wie sieht sie aus?

Im Herbst leuchten die roten Früchte verschiedener Wildrosensorten aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), in unseren heimischen Hecken und an sonnigen Waldrändern. Der Name der Frucht leitet sich vom germanischen Wort „hag“ ab, was so viel wie Hecke oder dichtes Gebüsch bedeutet. Grundsätzlich tragen alle Rosensorten Scheinfrüchte. Doch die Hagebutte kann nur aus bestimmten Wildrosensorten gewonnen werden. Dazu gehören die Hunds-Rose – (Rosa canina L.), die Alpen-Hecken-Rose (Rosa pendulina L.), die Essig-Rose (Rosa gallica L.) oder auch die Hundertblättrige Rose (Rosa x centifolia L.). Die Früchte der Kartoffel- oder auch Apfelrose genannt, sind wesentlich größer und somit ertragreicher als die kleineren Früchte anderer Wildrosensorten.

Ursprünglich stammt die Gattung „Rosa“ aus Eurasien. Als genaues Herkunftsgebiet wird Zentralasien vermutet, wo auch die Stammarten der meisten Kulturrosen ihren Ursprung haben. Zu den grundsätzlichen Merkmalen der Wildrosensorten zählen der strauchartige Wuchs und die ungefüllten Blüten mit fünf Kronblättern und zahlreichen Staubblättern. Durch den Verzehr der Früchte wurde das sonnenliebende Heckengewächs von Vögeln, Nagern und anderen Tieren rund um die gesamte Nordhalbkugel verbreitet. Im Norden reicht die Ausbreitung bis an die arktische Waldgrenze. Nach Süden reichen nur wenige Arten bis in die tropischen Gebirge. Je nach Quelle sind zwischen 120 bis zu 250 Wildrosensorten bekannt. Bei den Kulturrosen spricht man von bis zu 30 000 verschiedenen Zuchtsorten. Manche robuste Arten wachsen bis auf eine Seehöhe von 3 000 Metern. Eines der ältesten Anbaugebiete liegt im Hadschar-Gebirge im Norden vom Oman auf ca. 2 000 Meter Seehöhe.

In Mitteleuropa zählt die Hundsrose zu den häufigsten Wildrosenarten. Sie wächst als aufrechter Strauch ca. zwei bis drei Meter hoch, auf einer Seehöhe bis zu 1 700 Metern. Mit ihren schnell wachsenden, bogig überhängenden stacheligen Ästen und Zweigen bildet sie breite Hecken. Keine Wildrose ist ohne Dornen. Die Stacheln der meisten Wildrosen sind kräftig und hakig. Sie dienen als Fraßschutz und als Kletterorgane. Manche Sorten wie zum Beispiel die Hundsrose, werfen ihre gefiederten Laubblätter im Winter ab. Im Frühsommer trägt der Strauch eine Vielzahl von hellrosa oder weißen Blüten. Die Blütezeit von Mai bis Juni ist kurz. Hundsrosen duften nur wenig und haben auch keinen Nektar, sind jedoch reich an Pollen. Andere Wildrosensorten wie zum Beispiel die Essigrose blüht erst von Juni bis Juli, duftet betörend und ist eine gute Bienenweide.    

Nach der Befruchtung reifen die freistehenden Fruchtknoten zu sogenannten Sammel-Nussfrüchten mit fleischigen Fruchtbechern heran. Diese enthalten steinharte, kantige, borstige Kerne, welche die eigentlichen Früchte darstellen. Die kahlen, eiförmigen bis kugeligen Scheinfrüchte sind leuchtend rot und werden als Hagebutten bezeichnet. Sie reifen erst spät im Jahr. Oft sind sie zwar im September bereits rot gefärbt, reifen aber erst ab Oktober bis November vollständig aus. Heute werden Hagebutten großflächig in Osteuropa, Russland, China und Chile angebaut.

Wie wird die Hagebutte verwendet?

Hagebutten für den beliebten Hagebuttentee werden bei sonnigem, trockenem Wetter geerntet, wenn sie hellrot und noch hart sind.

Tipp: Beim Pflücken und der Verarbeitung von Hagebutten sollte man Handschuhe tragen! Wildrosenzweige sind sehr dornig, und die feinen Haare in der Frucht können Juckreiz auslösen.

Die Früchte werden längs aufgeschnitten und bei max. 40°C schonend getrocknet. Anschließend sollten sie kühl und dunkel gelagert werden. Aufgrund ihres hohen Gehalts an Vitamin C sind Hagebutten als Tee besonders zu Erkältungszeiten sehr beliebt. Die im Fruchtfleisch eingebetteten Kerne enthalten weiters ein fettes Öl, welches als Wildrosenöl im Handel erhältlich ist, und gerne in der Kosmetik verwendet wird. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (kurz ESCOP) empfiehlt Hagebutten und Hagebuttenschalen zur unterstützenden Behandlung von Erkältungen und Grippe, ebenso wie zur unterstützenden Behandlung von Gelenkarthrose-bedingten Schmerzen und Steifheit der Gelenke. Volksmedizinisch werden Hagebutten außerdem bei Fieber, Nieren- und Blasenerkrankungen sowie bei Gicht und Rheuma verwendet. Hagebuttenmus galt als Stärkungsmittel und Kraftnahrung bei Schwächezuständen. Hagebuttenpulver hat eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und antioxidative Wirkung. Eine dänische Forschergruppe führte Studien mit Hagebuttenpulver zur Behandlung von Arthrose-Erkrankungen durch. Es wurde eine erhöhte Beweglichkeit der Gelenke sowie eine Senkung des Schmerzmittelverbrauchs um 44% festgestellt. Weitere Studien der Universität Kopenhagen bestätigten den positiven Effekt in der Ernährungstherapie mit Hagebuttenpulver.

Bei der Herstellung von Hagebuttenpulver sollte eine Temperatur von 40°C nicht überschritten werden, damit die enthaltenen Galactolipide erhalten bleiben. Verarbeitet wird das Fruchtfleisch ebenso wie die Kerne. Nur die reizenden kleinen Haare werden abgetrennt. Letztere sind uns wohl aus Kindheitstagen noch gut als Juckpulver in Erinnerung geblieben. Frische Hagebutten können weiters zu Mus, Marmelade, Gelee oder Saft eingekocht werden. Roh sollte man sie als Mensch allerdings nicht essen. Gekocht schmecken die Früchte süß-säuerlich und aromatisch. Frisch verarbeitete Hagebutten haben den höchsten Gehalt an Wirkstoffen. Jedoch wird durch starkes Erhitzen und längeres Kochen vor allem das enthaltene Vitamin C rasch abgebaut. Vitamin C ist zwar in kristalliner Form bis zu 190°C hitzestabil, in wässriger Lösung oxidiert es jedoch zur Dehydroascorbinsäure, welche durch Hydrolysierung rasch abgebaut wird. Zusätzliche Hitzeeinwirkung beschleunigt den Vorgang, weshalb Vitamin-C-haltige Getränke nicht zu lange und zu stark erhitzt werden sollten. So wird die berühmte heiße Zitrone üblicherweise bei nur 60°C zubereitet. 

Für die Gewinnung von Öl werden die Früchte zu Beginn der Vollreife geerntet. Das klare, gelborange Hagebuttenöl wird durch Pressen der harten Kerne oder durch Extraktion gewonnen.  Es findet vor allem in der Behandlung von Hauptproblemen und in der Kosmetik Verwendung.  Es pflegt rissige und schuppige Haut und hilft bei Ekzemen sowie Schuppenflechte und unterstützt die Narbenbehandlung. In der Kosmetik findet es vor allem bei reifer und beanspruchter Haut Anwendung. Die enthaltene Transretinolsäure beschleunigt den Prozess der Hauterneuerung. In manchen Ländern wird es zur Behandlung von Zahnfleisch- und Mundschleimhautwunden angewendet. Hagebuttenöl oxidiert allerdings rasch unter Lichteinwirkung und benötigt Lichtschutz. In der Kosmetik wird es bevorzugt für nährende Nachtcremes verwendet. Bei Hunden und Pferden haben die im Hagebuttenöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren eine positive Wirkung auf die Haut und das Fell.

Welche Wirkstoffe sind in der Hagebutte enthalten?

Hagebutten sind kleine Vitaminbomben. Unter den einheimischen Früchten hat die Hagebutte den höchsten Gehalt an Vitamin C welcher ungefähr dem 20igfachen Gehalt einer herkömmlichen Zitrone entspricht.

Achtung: Der Vitamin-C-Gehalt der Hagebutte nimmt bei nicht fachgerechter oder zu langer Lagerung ab. Bei Fertigpräparten sind die Angaben des Herstellers zu beachten.

Hunde und Pferde können Vitamin C zwar selbst in der Leber aus Glucose herstellen, aber ein erhöhter Vitamin-C-Bedarf, zum Beispiel durch sportliche Leistung, bei Stress, Schmerzen, oder Infektionen sowie im Alter, kann durch die körpereigene Synthese nicht abgedeckt werden. Vitamin C wirkt antioxidativ und fördert die Leistung des Immunsystems. Außerdem spielt es eine wichtige Rolle bei der Kollagenbildung des Bindegewebes und dem Aufbau von Knochen und Knorpeln. Vitamin C ist zudem ein wichtiger Baustein der körpereigenen Synthese von Carnitin, das für den Muskelaufbau benötigt wird. Ein weiterer Inhaltsstoff der Hagebutte, der rote Farbstoff Lycopin, zählt ebenfalls zu den Antioxidantien und gilt als Radikalfänger. Weiters sind Hagebutten reich an Provitamin A, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird, und B-Vitaminen. Dazu enthalten sind Mineralstoffe wie Eisen, Selen, Mangan sowie Spurenelemente wie Kupfer und Zink.

Weitere Inhaltsstoffe sind Apfelsäure, Zitronensäure, Flavonoide, Carotinoide, Pektin, Gerbstoffe, Mineralstoffe und Zucker. Die enthaltenen Galaktolipide zeigen antioxidative und entzündungshemmende Effekte. Besonders gute Wirkung weisen diese Substanzen bei chronischen Gelenkserkrankungen auf. Die Fruchtsäuren der Hagebutte regulieren die Verdauung und regen die Harnproduktion an. Sie wirken unterstützend auf Niere und Blase und helfen dem Organismus bei der Ausscheidung von Schadstoffen. Das enthaltene Pektin wirkt beruhigend bei Magenproblemen und fördert die Regenration der gereizten Magenschleimhaut. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken sich hilfreich bei Durchfallerkrankungen aus. Die enthaltenen Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe und schützen den Organismus vor Bakterien und Viren.

Bei welchen Beschwerden von Pferden und Hunden kann die Hagebutte hilfreich sein?

Hagebutten sind wertvolle Vitaminspender. In Zeiten, in denen der Organismus besonders gefordert ist, wie im Fellwechsel, nach Erkrankungen oder bei Stress, können die Wirkstoffe der Hagebutte die Abwehrkräfte steigern. Bei den Senioren unter den Hunden und Pferden kann mit der vitaminreichen und antioxidativ wirkenden Frucht die nachlassende Leistung des Immunsystems gestärkt werden.

Tipp: Für ein kräftigendes Hagebuttenmus für Pferde kann man reife, entkernte und enthaarte Hagebutten pürieren und 1 zu 1 mit Honig vermischen. Das Mus wird teelöffelweise unter das Futter gemischt.

Der hohe Vitamin-C-Gehalt der Hagebutte und das enthaltene Vitamin B3 sowie Provitamin A sind förderlich für den Muskelaufbau.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Hagebuttenschalen den Stoffwechsel anregen, die Durchblutung fördern und entzündungshemmend wirken. Pferde, die aufgrund von chronischen Stoffwechselstörungen (PSSM, EMS) ein erhöhtes Risiko für Hufrehe haben können mit der vorbeugenden Zufütterung von Hagebutten unterstützt werden.

Bei Pferden und Hunden mit degenerativen Gelenkserkrankungen (Arthrosen) kann die Hagebutte zur Linderung der Beschwerden beitragen und die Vitalität der Tiere erhöhen.

Tipp: Die meisten Pferde mögen getrocknete Hagebutten und nehmen sie als gesundes, zuckerarmes Leckerli oder unters Futter gemischt (bis zu 100 g / 500 kg Körpergewicht) gerne an. Manche Pferde naschen frische Hagebutten auch direkt vom Wildrosenstrauch!

Unerwünschte Wirkungen:

Nebenwirkungen treten bei der Fütterung von Hagebutten und deren Zubereitungen nur sehr selten auf. Die enthaltenen Gerbstoffe können bei empfindlichen Tieren zu leichten Magen-Darm-Beschwerden führen.

Quellen

  • Cäcilia Brendieck-Worm, Matthias F. Melzig: Phytotherapie in der Tiermedizin, Thieme 2018
  • S. Krist, G. Buchbauer, C. Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, Springer-Verlag 2008
  • Arthrose: Hagebuttenpulver lindert Gelenksbeschwerden
  • https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-062007/hagebutte-auf-dem-pruefstand/
  • https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2006/daz-24-2006/uid-16041
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Hagebutte
  • http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hagebutte
  • http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/hagebutte.php
  • http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hagebuttenpulver
  • http://www.biologie-schule.de/hagebutte.php
  • https://www.apotheken.de/news/8318-viel-heisse-luft-um-die-heisse-zitrone
  • https://www.chemie.de/lexikon/Ascorbins%C3%A4ure.html