Während des Fellwechsels sind Leber und Niere stark belastet!

Der Fellwechsel und der damit mehr beanspruchte Stoffwechsel kann zu einer Überbelastung von Leber und Niere führen. Kleinste Anzeichen sollten bereits Warnsignale für Pferdebesitzer sein, den Stoffwechsel sowie die Entgiftung des Pferdes zu unterstützen, um Langzeitschäden zu vermeiden. Ein gut funktionierender Stoffwechsel ist die Grundvoraussetzung für ein gesundes und vitales Pferd mit intaktem Immunsystem!

Wie erkenne ich eine Überlastung von Leber und Niere?

Das Blutbild wird gerne als Überprüfung zur Funktion des Pferdekörpers herangezogen. Als Tierbesitzer ruht man sich auf diesem Ergebnis gerne aus, wenn weder Leber- noch Nierenwerte erhöht sind, aber dies könnte fatale Folgen haben. Im Blut werden Probleme der Leber und/oder Niere erst sichtbar, wenn bereits eine starke Schädigung vorliegt und es oft bereits zu spät ist. Es gibt viele kleine Warnsignale, bei denen wir Pferdebesitzer genauer auf unseren Liebling achten sollten.  

Mögliche Warnsignale einer Leber und Nieren Überbelastung sind:

  • Stumpfes Fell, vor allem wenn das Haar am Ende „Häkchen“ macht
  • Schlechter oder verlangsamter Fellwechsel, schlechtes Winterfell
  • Hautprobleme wie:
    - Ekzeme, Sommerekzem
    - Mauke, Raspe
    - Neigung zu Phlegmone
    - Nesselfieber
    - Überempfindlichkeit gegen Insektenstiche, Waschmittel etc.
    - Genereller Juckreiz
    - Warzen und Sarkoide
    - Neigung zu Pilzen, Haarlingen und andere Ektoparasiten
    - Generelle Überempfindlichkeit der Haut
  • Hufrehe
  • Hufabszesse, Strahlfäule
  • Ödeme, z. B.:
    - Angelaufene Beine, „Ruhetagsphlegmone“
    - schwammige Sprung- oder Karpalgelenke
    - angelaufener, fester Halskamm
    - Ödem-Polster an den Flanken, oft mit Fettpolstern verwechselt
  • Allergien
  • Schlechte Wundheilung
  • Untypisches Schwitzverhalten, wie zu starkes oder zu schwaches Schwitzen
  • Hyperventilation durch mangelndes Schwitzen
  • Erhebliches oder zu schwaches Saufen, zu viel oder zu wenig Urin
  • Gieriges Fressen von Salz- oder Minerallecksteinen

Was sind mögliche Folgeerkrankungen, wenn der Stoffwechsel entgleist?

Beachtet man die Frühsymptome nicht, so können sich die Stoffwechselprobleme in schwere Krankheiten manifestieren.

Zu jenen Krankheiten, bei denen der Stoffwechsel und die Fütterung eine große Rolle spielen, zählen:

  • Equines Cushing-Syndrom
  • Equines Metabolisches Syndrom
  • Insulinresistenz („Diabetes“, meist in Zusammenhang mit Cushing oder EMS)
  • Polysaccharid-Speicher Myopathie (PSSM)
  • Kreuzverschlag
  • Hufrehe (Laminitis)
  • Hufrolle-Entzündung (Podotrochlose)
  • Osteochondrosis dissecans (OCD, Chips, Gelenkmäuse)
  • Strahlbein- und Gleichbein-Erkrankungen sowie Wobbler-Syndrom v. a. des jungen Pferdes
  • Sommerekzem
  • Arthrosen und Knochenzysten bei jungen Pferden
  • Magen-Darm-Erkrankungen wie Gastritis, Geschwüre und Koliken


Um solche schweren und zum Teil kaum oder nicht mehr therapierbaren Krankheiten zu vermeiden, sollte frühzeitig auf Symptome von Leber- und Nierenüberlastung geachtet und reagiert werden. Insbesondere während des Fellwechsels sind die Nieren bei Pferden stark belastet. Gerade in diesen Zeiten findet meist zusätzlich eine Futterumstellung von Heu auf Weide bzw. von Weide auf Heu sowie regelmäßige Wurmkuren und Impfungen statt. Eine Unterstützung der Nieren in diesen Phasen ist notwendig und sinnvoll, um sein Pferd lange gesund zu erhalten.

Ist die Leber durch Stoffwechselüberlastung erst einmal in ihrer Funktion eingeschränkt, so kann sie ihrer Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend nachkommen.

Diese Störung kann sich langfristig als Kryptopyrrolurie (KPU) manifestieren. Diese ist im Blutbild nicht, allerdings mit Hilfe einer Urinprobe und der Bestimmung des Kryptopyrrol- und des Indikan-Werts nachweisbar. Die Leber hat bei dieser Stoffwechselstörung die Regenerationsfähigkeit verloren. Die Entgiftung läuft nicht mehr vollständig ab, da es an einem speziellen Katalysator fehlt. Meist steht im Zusammenhang mit KPU eine zerstörte Darmflora. Der Körper versucht die nicht mehr abbaubaren Toxine mittels Spurenelemente zu binden wie Zink, Selen und Mangan. Dieser Mangel ist nach einer Zeit ebenfalls im Blutbild sichtbar.  Aus diesem Zustand kommt das Pferd ohne Hilfe von außen nicht mehr raus, hier muss therapeutisch eingegriffen werden, bis das Pferd sich wieder stabilisieren kann. Bitte kontaktiere dazu deinen Tierarzt/ deine Tierärztin!

Hinweise für schwere Entgiftungs-Störungen bzw. Schädigung der Leber sind:

  • Alle Symptome für Leber- und Nieren-Probleme (siehe Warnsignale einer Leber und Nieren Überbelastung)
  • Wiederkehrende Koliken, trotz optimaler Haltung und Fütterung
  • Probleme im Bewegungsapparat wie intermittierende Lahmheiten
  • Rückenverspannungen, die nicht muskulär oder osteopathisch erklärbar sind
  • Kotwasser, Durchfälle trotz pferde­gerechter Fütterung
  • Chronischer Husten, therapieresistenter Husten
  • Anfälligkeit für Überbeine, Knochendemineralisierung, Zahndeminerali­sierung
  • Multimorbide Pferde, d. h. viele verschiedene, z. T. schwer definierbare Krankheitszustände
  • Non-Responder, also Pferde, die auf Therapien nicht oder viel zu schwach ansprechen

Wie kann ich den Stoffwechsel meines Pferdes unterstützen?

Es gibt zwei Wege das Pferd zu unterstützen. Einerseits stoffwechselbelastende Faktoren einschränken oder weglassen und andererseits stoffwechselanregende Faktoren in den Vordergrund stellen bzw. verbessern:

Belastung des Stoffwechsels

Energiereiche, zuckerhaltige und nicht artgerechte Ernährung

Mangel an Mineral- und Vitalstoffen

Nicht ausreichende Wasserversorgung

Hohe Stressbelastung

Abrupte Futterumstellung

Unterstützung des Stoffwechsels 

Energiearmes Grundfutter, Kraftfutter nur nach Bedarf

Ausgewogene, auf das Pferd abgestimmte Mineral- und Vitalstoffversorgung

24h uneingeschränkten Wasserzugang

Täglich ausreichende Bewegung (Offenstall, Weidegang) 

Die Ernährung sowie der Magen-Darmtrakt spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechselprozess. Die Fütterung sollte keine schnell verfügbaren Kohlehydrate enthalten. Zum Beispiel sollten Äpfel, Karotten, Mais, Melasse und Kraftfutter nur im Bedarfsfall und in kleinen Mengen den Pferdemagen erreichen. Qualitativ hochwertiges, energiearmes und rohfaserreiches Grundfutter (KEINE Silage!) kombiniert mit einer angepassten Mineralstoffmischung ist zu bevorzugen. Langsame Futterumstellungen nehmen zwei bis drei Wochen in Anspruch, damit sich der Stoffwechsel adäquat darauf einstellen kann.

Am besten beginnt man schon vor den Fellwechselzeiten mit der stoffwechselentlastenden Futterumstellung sowie mit der Unterstützung der Entgiftungsorgane wie Leber- und Niere. Da der Fellwechsel an sich vom Tageslicht beeinflusst wird, setzt dieser schon im Februar ein. Abhängig vom Pferd (Alter, vorliegende Krankheiten, Haltung usw.)  dauert der Fellwechsel mehrere Wochen. 

Unterstützende Kräuter für Fell- und Stoffwechsel sowie Leber & Niere bei Pferden:

Mariendistelfrüchte

Der wertvolle Inhaltsstoff für den Stoffwechsel in der Mariendistel ist das Silymarin. Es wirkt antogonistisch (hemmend) gegenüber zahlreichen Leberschädigungsmodellen. Es verhindert das Eindringen von Lebergiften in Leberzellen und regt die Regeneration von Leberzellen an. 

Birkenblätter

Birkenblätter als wässriger Kräuterauszug zeigen eine deutliche Erhöhung der Harnmenge und wirkt ebenfalls schweißtreibend und Fieber senkend. 

Brennessel

Die Brennnessel findet in der Veterinärmedizin innerlich als Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege Anwendung. Sie wirkt zusätzlich noch blutdrucksenkend, entzündungshemmend und wassertreibend. 

Löwenzahnblätter und Löwenzahnwurzel

Die im gemeinen Löwenzahn enthaltenen Bitterstoffe regen die Magen- Darmsekretion an und wirken somit verdauungsfördernd. Weiters konnten in der Veterinärmedizin harnvermehrende sowie harntreibende und saluretische (Salz ausleitend) Effekte nachgewiesen werden.

Verfasserin: Bianca Becker-Slovacek am 23.01.2019

Quellen

Pahlow, M. (2013). Das große Buch der Heilpflanzen. Hamburg: Nikol Verlag.
Reichling, J., Gachnian-Mirtscheva, R., Frater-Schröder, M., Di Carlo, A., & Widmaier, W. (2008). Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. Berlin-Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

https://www.artgerecht-tier.de/pferde/d-symptome-fuer-stoffwechselueberlastung-teil-1-1776045355

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