Arthrose beim Pferd – gibt es Hilfe?

Gefürchtet, irreversibel und unheilbar: Die Diagnose „Arthrose“ bedeutet oft das Aus für Sport- und Freizeitpferde. Gibt es Mittel und Wege, das Fortschreiten einer Arthrose aufzuhalten? Wie du Schmerzen und Steifheit deines Pferdes bei einer chronischen Gelenkserkrankung lindern und welche Heilkräutern für Arthrose-Pferde empfehlenswert sind.  

Was ist Arthrose?

Arthrose ist eine Gelenkserkrankung, die durch degenerative Veränderungen von Gelenkknorpel und Knochenstruktur gekennzeichnet ist. Die mit dem Abbau des Gelenkknorpels und der Versteifung des betroffenen Gelenks verbundenen Schmerzen sind häufig Ursache von chronischen Lahmheiten bei Pferden. Jüngste Schätzungen deuten darauf hin, dass 60 % aller Lahmheiten im Zusammenhang mit arthrotischen Prozessen stehen. Arthrosen können in allen Gelenken auftreten. Am häufigsten sind Sprunggelenk („Spat“), Huf- und Fesselgelenk („Schale“) und Kniegelenk betroffen.

Wie funktioniert ein gesundes Gelenk beim Pferd?

Die Gelenke unserer Pferde sind enormen Belastungen ausgesetzt. Jahrzehntelang werden sie Tausende Male am Tag gedehnt, gebeugt und gestreckt. Sie tragen das Gewicht von Pferd und Reiter und federn wie Stoßdämpfer Erschütterungen ab.

Ein Gelenk ist eine komplex aufgebaute, bewegliche Verbindung zwischen zwei Knochen, die von einer Gelenkkapsel und Seitenbändern stabilisiert wird. Der Raum zwischen den Knochen ist mit Gelenksflüssigkeit (Synovia, Gelenksschmiere) ausgefüllt, die von der Gelenksinnenhaut (Synovialmembranen) reguliert wird und den Gelenkknorpel, der die zusammentreffenden Knochenenden bedeckt und polstert, mit Schmiermittel und Nährstoffen versorgt. Der Mechanismus von Produktion und Resorption der Gelenksflüssigkeit bewirkt, dass das Gelenk von Abriebsprodukten gereinigt wird.

Der Gelenkknorpel hat eine besonders wichtige Funktion: Er reduziert die Reibung im Gelenk, hält es beweglich und schützt es vor Überbelastung und Verschleiß. Das Knorpelgewebe besteht aus Kollagenfasern, einem zähen Protein im Bindegewebe, das der Knorpelsubstanz ihre Festigkeit verleiht. Die Kollagene sind mit Proteoglykanen verflochten, die Flüssigkeit aufnehmen können und für die Widerstandsfähigkeit des Gewebes sorgen. Wird das Gelenk gebeugt, dehnt und komprimiert sich der Knorpel und sorgt für die Zirkulation von Flüssigkeit in den Gelenkszwischenräumen. Man könnte den Knorpel auch mit einem Schwamm vergleichen: Er nimmt Flüssigkeit auf, wenn der Druck im Gelenk nachlässt, und drückt sie wieder heraus, wenn sich der Druck verstärkt, und fungiert auf diese Weise als Stoßdämpfer.   

Was passiert bei einer Arthrose?

Durch Belastungen wie Erschütterungen oder Überdehnung kommt es häufig zu winzigen Läsionen innerhalb des Gelenks. Leichte Entzündungsreaktionen im Gelenk tragen dazu bei, diese kleinen Schäden zu „reparieren“. Die körpereigenen Abwehrkräfte des gesunden Pferdes sind normalerweise ausreichend, um diese entzündlichen Prozesse unter Kontrolle zu halten, das Gelenk heilt aus und bleibt beweglich.  

Ist der Körper nicht mehr in der Lage, die Entzündung einzudämmen, zersetzen die im Entzündungsprozess frei werdenden Enzyme die Synovialflüssigkeit und verdünnen sie. In der Folge kommt es zu einer Kettenreaktion: Die Kollagenschicht wird nicht mehr ausreichend versorgt. Die Fähigkeit des Knorpels, Flüssigkeit aufzunehmen und abzugeben, wird vermindert. Dadurch werden wiederum Entzündungsreaktionen ausgelöst. Die Gelenkskapsel füllt sich mit Flüssigkeit, was zu Druck, Schmerzen und Steifheit und vor allem zu weiteren Entzündungen führt, die einen weiteren Abbau der Synovialflüssigkeit und damit eine fortschreitende Schädigung des Knorpelgewebes verursachen. Der Knorpel verliert seine Elastizität, die Knorpeloberfläche wird rau, der Reibungswiderstand steigt. Die Kollagenfasern können einreißen und der Knorpel kann sich vollständig auflösen, sodass die darunter liegenden Knochenenden aneinander reiben und der Knochen angegriffen wird. Als Reaktion darauf entstehen Knochenzubildungen, die das Gelenk versteifen.

Arthrose beim Pferd - Darstellung gesundes versus erkranktes Gelenk

Wodurch entstehen Arthrosen?

  • Häufig sind nicht ausgeheilte Gelenksentzündungen, wie sie nach Verletzungen vorkommen, die Ursache für eine Arthrose.
  • Fehlstellungen der Gliedmaßen und/oder der Hufe erhöhen das Risiko des Pferdes, an Arthrose zu erkranken.
  • Zu frühe und zu starke Belastung des Pferdes begünstigt chronische Gelenkserkrankungen. 

Abnutzungen des Gelenkknorpels zählen jedoch auch zu den normalen Alterserscheinungen, die bei vielen Pferdesenioren ab dem 18. Lebensjahr auftreten. 

Welche Symptome zeigt ein Pferd mit Arthrose?

Arthrose entwickelt sich schleichend und ist anfangs schwer zu erkennen. Manchmal ist das betroffene Gelenk deutlich wärmer und geschwollen. Manche Pferde zeigen schon früh Anzeichen von Arthrose wie steife Bewegungen oder kurze Tritte. Andere verweigern eine Richtung an der Longe, oder sie wollen nicht antraben oder angaloppieren. Wieder andere wehren sich gegen die Reiterhilfen und wirken widersetzlich. Ganz typisch ist, dass sich die Symptome bessern, sobald das Pferd aufgewärmt ist und sich eingelaufen hat.

Besteht der Verdacht auf Arthrose, sollte unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden, um die Symptome abzuklären. Mit einer umfassenden Lahmheitsuntersuchung, Beugeproben und Röntgenuntersuchungen lässt sich feststellen, welches Gelenk betroffen ist. Frühzeitig erkannt, kann der Prozess zwar nicht rückgängig gemacht, doch zumindest aufgehalten werden.

Kann man Arthrosen vorbeugen?

  • Bei Verletzungen des Bewegungsapparates sollte das Pferd gründlich vom Tierarzt untersucht werden, da auch kleine Traumata zu Gelenksentzündungen führen können, die Arthrosen zur Folge haben.
  • „Kaltstarts“ und schnelle Gangarten auf zu hartem Boden können Mikroläsionen im Gelenksbereich verursachen.
  • Übergewicht belastet die Gelenke.
  • Regelmäßige Hufpflege minimiert das Risiko von einseitigem Druck auf die Gelenke.

Wie kann ich mein Arthrose-Pferd am besten unterstützen?

Abgesehen von schmerzstillenden Medikamenten, die bei akuten Arthroseschüben notwendig werden können, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dem Arthrose-Pferd zu mehr Bewegungsfreude und Lebensqualität zu verhelfen.

Bewegung

Mäßige Bewegung hilft, die Gelenke fit zu halten. Leichte Arbeit – immer innerhalb der Komfortzone des Pferdes – stärkt die Muskeln und Bänder, die zur Stabilisierung des Gelenks beitragen, und regt die Produktion von Synovialflüssigkeit an. Außerdem kommen viele Pferde mit einer plötzlichen „Pensionierung“ schlecht zurecht und genießen gemütliche Ausritte mit einem Kumpel oder ausgedehnte Spaziergänge an der Hand.
Achtung: Steile Hänge, zu harten oder zu tiefen Boden vermeiden!

Manche Pferde verschaffen sich auf der Weide genau so viel Bewegung, wie ihnen guttut. Die langsame Bewegung beim Grasen ist für Pferde mit Arthrose optimal, jedoch sollte die Herdendynamik im Auge behalten werden: Eine ruhige, ausgeglichene Pferdegruppe, in der sich das an Arthrose erkrankte Pferd in seinem eigenen Tempo bewegen kann und weder herumgejagt noch zu wilden Rennen verleitet wird, ist für sein Wohlbefinden wichtig.   

Fütterung

Wenn sich das Pferd weniger bewegt, sollte der geringere Energieverbrauch bei der Futterration berücksichtigt werden, um Übergewicht und die damit verbundene Mehrbelastung der Gelenke zu vermeiden.

Physiotherapie

Wenn das betroffene Gelenk Schmerzen verursacht, nimmt das Pferd eine Schonhaltung ein, die sich auf Muskeln, Bänder, Sehnen und andere Gelenke auswirkt. Manualtherapien können den Folgeerscheinungen von Arthrose vorbeugen.    

Ergänzungsfuttermittel für den Knorpelaufbau

Eine Reihe von Ergänzungsfuttermitteln kann die Gesundheit der Pferdegelenke unterstützen. Die meisten enthalten Glucosamin, Chondroitinsulfat und/oder Hyaluronan (Hyaluronsäure) – drei Substanzen, die auch in den Gelenken vorkommen. Glucosamin soll zur Bildung und Regeneration von Knorpelgewebe beitragen, Chondroitinsulfat soll den Knorpel elastisch halten, und Hyaluronan hilft, die Gelenke zu schmieren. Als Alternative oder Ergänzung zu Glucosamin wird auch Avocado-Sojabohnenextrakt (ASU) angeboten.

Glucosamine sollen noch besser wirken, wenn sie in Kombination mit Omega-3-Fettsäuren eingenommen werden, die unter anderem in Leinöl und in Mikroalgen enthalten sind.

MSM (Methylsulfonylmethan) ist eine weiße, geruchlose, kristalline Substanz, die 34 % Schwefel enthält. Schwefel ist ein zentraler Bestandteil des Körpers, wirkt antientzündlich und antioxidativ und kann den Knochenstoffwechsel stimulieren. MSM kann als Monotherapie oder als Kombinationstherapie mit anderen Antiarthrose-Präparaten eingesetzt werden.

Kräuter für das Arthrose-Pferd

„Klassische“ Schmerzstiller wie Phenylbutazon und nicht-steroidale Entzündungshemmer bringen dem Pferd zwar kurzfristig Erleichterung, sollten aber nicht zur Dauermedikation werden, da sie den Stoffwechsel und speziell die Magenschleimhaut des Pferdes belasten. Der gern empfohlene Ingwer hemmt Entzündungen und den Knorpelabbau, kann aber in hohen Konzentrationen zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Eine gute Alternative bietet eine Reihe von Heilkräutern, die zudem den Organismus nach dem Einsatz von Medikamenten entlasten können.

Empfehlenswert ist das Zufüttern von Kräutern, die entzündlichen Prozessen entgegenwirken und den Stoffwechsel anregen. So werden Gelenksschlacken besser abgebaut und ausgeleitet. Die Regeneration des Gewebes wird angeregt. Zusätzlich zur entzündungshemmenden Wirkung kann man durch Salben und Kompressen die Durchblutung fördern. Dadurch werden Heilungsprozesse beschleunigt und das Beschwerdebild gelindert. In der folgenden Aufzählung werden entsprechende Kräuter in ihrer Wirksamkeit näher erläutert.

Rosmarin

Der Rosmarin (Salvia rosmarinus Synonym: Rosmarinus officinalis) zählt zu den traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. Innerlich angewendet verbessert er die Funktion von Leber und Galle und regt die Verdauung an. Auch eine unterstützende Therapie bei krampfartigen Magen- Darmbeschwerden und unspezifischen dyspeptischen Beschwerden ist medizinisch anerkannt. Äußerlich angewendet fördert er die Durchblutung und wird zur unterstützenden Therapie bei Muskel- und Gelenksbeschwerden sowie rheumatischen Erkrankungen und Kreislaufbeschwerden eingesetzt. Lokal angewendet gilt Rosmarinöl als leichtes Antiseptikum und fördert die Wundheilung. Vorsicht! Bei bestehenden Gallensteinen oder einem Verschluss der Gallengänge sollte Rosmarin nicht angewendet werden. Da er innerlich verwendet den Gallenfluss erhöht, könnten möglicherweise Koliken ausgelöst werden. Pferde haben zwar keine Gallenblase, aber für Mensch und Tiere, welche über dieses Organ verfügen, sollte dies beachtet werden. Des Weiteren sollte man bei großen Hautverletzungen, Fieber oder bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Vollbäder mit Rosmarinöl verzichten.

Löwenzahn

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist ein wahrer Tausendsassa. Vom HMPC (Herbal Medicinal Product Committee) als traditionelles, pflanzliches Arzneimittel anerkannt, wird er zur unterstützenden Behandlung bei rheumatischen Beschwerden, dyspeptischen Beschwerden, zur Verbesserung der Leber- Gallenfunktion, zur Verbesserung des Harnflusses und Erhöhung der Harnmenge, sowie zur Vorbeugung von Nierensteinen verwendet. Aufgrund seiner stoffwechselanregenden Wirksamkeit ist er beliebter Bestandteil von so mancher Frühjahrskur. Durch seinen günstigen Einfluss auf das Bindegewebe fördert er die Ausscheidung von Stoffwechselschlacken und somit die Heilungsprozesse von rheumatischen Erkrankungen und Gicht. Aufgrund seiner antioxidativen Eigenschaften wird der Löwenzahn aktuell auch umfangreich in der Krebstherapie erforscht.

Brennnessel

Die Brennnessel (Urtica dioica) ist ebenso als traditionelles pflanzliches Arzneimittel medizinisch anerkannt. Die Kommission E empfiehlt Brennnesselblätter zur Durchspülungstherapie der ableitenden Harnwege sowie zur Vorbeugung von Nierengrieß, zur unterstützenden Behandlung von rheumatischen Beschwerden und entzündlichen Erkrankungen. Die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) empfiehlt die Anwendung der Brennnessel zusätzlich zur Behandlung von Arthrose, Arthritis und zur Verbesserung der Wasserausscheidung. Verwendet wird sowohl das ganze Kraut wie auch die Wurzeln. Achtung! Bei Vorleigen von Ödemen aufgrund einer eingeschränkten Herz-Nierentätigkeit sollte man keine Durchspülungstherapie durchführen. Von einer Kombination mit synthetischen Diuretika wird abgeraten.

 Hohlzahnkraut

Das Hohlzahnkraut (Galeopsis tetrahit) auch stechender Hohlzahn oder Hanfnessel genannt, wird volksmedizinisch als blutreinigendes, blutbildendes, adstringierendes, schleimlösendes und entzündungshemmendes Mittel eingesetzt. Neben Flavonoiden, Harzen und Gerbstoffen enthält der Hohlzahn auch Iridoide, speziell Harpagosid, welches unter anderem auch in der afrikanischen Teufelskralle enthalten ist. Außerdem sind ätherische Öle und Saponine enthalten, und er ist reich an Kieselsäure. Kieselsäure unterstützt die Bildung von Bindegewebe und ist daher wichtig für den Aufbau von Haut, Haaren und Knorpelgewebe.

Afrikanische Teufelskralle

Die afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) zählt zu den traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. Die Anwendung zur Schmerzbehandlung bei Osteroarthritis, Rückenschmerzen sowie zur unterstützenden Therapie bei degenerativen Gelenkserkrankungen ist medizinisch anerkannt. Verantwortlich für die Wirksamkeit sind die enthaltenen Iridoid-Glycoside, speziell das Harpagosid. Dieser wasserlösliche Wirkstoff ist für seine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung bekannt. Weitere Pflanzen deren Gehalt an Harpagosid therapeutisch interessant sind, wäre die Königskerze oder auch der oben erwähnte Hohlzahn.

Weidenrinde

Die Weidenrinde (Salicis cortex) ist die Rinde verschiedener Arten der Gattung Weide (Salix L.) Arzneilich verwendet werden hauptsächlich die Purpurweide, die Bruchweide und die Reifweide. Extrakte der Weidenrinde sind vom HMPC als traditionelles medizinisches Arzneimittel anerkannt. Die ESCOP empfiehlt Weidenrinde zur Behandlung von Rückenschmerzen, rheumatischen Beschwerden, fiebrigen Erkältungen und Kopfschmerzen. Verantwortlich für die Wirksamkeit sind die enthaltenen Salicylate. Das Acetylsalz der Salicylsäure ist weltweit als das Arzneimittel Aspirin bekannt. Die Wirkung beruht auf seinen entzündungshemmenden, schmerzstillenden und blutverdünnenden Eigenschaften.

Mädesüß

Das Mädesüß (Filipendula ulmaria Syn: Siraea ulmaria) zählt zu den Spiersträuchern und hat dem Aspirin ursprünglich zu seinem Namen verholfen. Wie die Weidenrinde ist auch das Mädesüß reich an Salicylaten, des Weiteren sind Flavonoide und Gerbstoffe enthalten. Vom HMPC wurde das echte Mädesüß als traditionelles pflanzliches Arzneimittel medizinisch anerkannt. Aufgrund seiner entzündungshemmenden, schmerzstillenden und blutverdünnenden Eigenschaften wird Mädesüß zur Behandlung von verschiedenen Erkältungskrankheiten, sowie bei Gliederschmerzen eingesetzt.

Volksmedizinisch findet es auch bei rheumatischen Erkrankungen, Muskel- und Gelenksbeschwerden, zur Verstärkung der Wasserausscheidung und bei unspezifischen Schmerzen Anwendung. Wie bei der Weidenrinde sollte man ebenso beim Mädesüß darauf achten, auf eine gleichzeitige Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten zu verzichten. Des Weiteren sollte bei einer Überempfindlichkeit auf Salicylaten kein Mädesüß verwendet werden.

Hagebutte

Die Hagebutte (Rosae fructus) ist die Frucht verschiedener Rosensorten wie zum Beispiel der Hundsrose (Rosa canina) oder der Apothekerrose (Rosa gallica). Hagebutten sind reich an Ascorbinsäure, Gerbstoffe, Pektin, Zucker, Flavonoide und Fruchtsäuren. Die ESCOP empfiehlt Hagebutten zur Behandlung von Grippe, Erkältungskrankheiten und zur Linderung von Schmerzen und Steifheit bei Gelenksarthrose. Volksmedizinisch werden sie zusätzlich bei Blasen und Nierenleiden sowie bei rheumatischen Erkrankungen und Gicht eingesetzt. Aufgrund seiner entzündungshemmenden und antioxidativen Wirksamkeit ist Hagebuttenkernpulver zum Aufbau von Knorpelgewebe bei Gelenksartrose als Nahrungsergänzungsmittel sehr beliebt. Entzündlichen Prozessen wird bei regelmäßiger Einnahme entgegengewirkt und die Beweglichkeit der Gelenke wird erhöht.

Curcuma

Die Curcuma (Curcuma longa) oder auch Gelbwurz genannt, zählt zu den traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. In der ayurvedischen Medizin ist die Verwendung der Curcuma bereits seit 4000 Jahren belegt. Als Zauberknolle oder Gewürz des Lebens wird die gelbe Wurzel auch manchmal bezeichnet. Sie zählt zu den heißen Gewürzen und ihr wird eine reinigende und energiespendende sowie entzündungshemmende Wirkung zugesprochen. Seine gallentreibenden, antioxidativen, entzündungshemmenden, schmerzlindernden, krampflösenden, cholesterinsenkenden, antimikrobiellen, immunmodulierenden, antiproliferativen (das Zellwachstum hemmend) und antitumoralen Eigenschaften werden aktuell in laufenden Studien umfassend erforscht. Zu den medizinisch anerkannten Indikationen zählt die Verwendung bei Verdauungsbeschwerden, Störungen des Gallenflusses sowie bei dyspeptischen Beschwerden. Doch Curcuma, hat aufgrund seiner vielfältigen Effekte das Potential auch bei anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel zur Behandlung von Arthrose, Alzheimer, Multiple Sklerose, Arthritis, allergische Reaktionen, Schuppenflechte, entzündliche Darmerkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebserkrankungen sowie Diabetes Einsatz zu finden.

Ingwer

Der Ingwer (Zingiber officinale) zählt ebenso zu den traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. Vom HMPC ist die Anwendung der Wurzel bei Reisekrankheiten, Übelkeit und Erbrechen anerkannt. Des Weiteren kann Ingwer zur Linderung der Symptome bei Magen-Darm-Beschwerden und Blähungen sowie zur allgemeinen Unterstützung der Verdauung verwendet werden. Volksmedizinisch werden Ingwer und seine Zubereitungen bei Erkältungen, Grippe, Übelkeit, Reisekrankheit sowie bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. In Untersuchungen wurden entzündungshemmende, blähungstreibende, verdauungsfördernde, schmerzlindernde, antimikrobielle sowie spasmolytische, antiemetische, antidiabetische, antioxidative und antitumorale Eigenschaften nachgewiesen. In der TCM und im Ayurveda wird Ingwer schon seit Langem verwendet. Traditionell wird er hier bei rheumatischen Beschwerden, Muskelschmerzen und Erkältungen eingesetzt. Ingwer wird einerseits frisch oder getrocknet und gemahlen verabreicht. Aufgrund der entzündungshemmenden und stoffwechselfördernden Wirkung wird er bei Pferden als Heilmittel bei Entzündungen und Arthrose eingesetzt. Vom NHV Theophrastus wurde Ingwer zur Heilpflanze des Jahres 2018 gewählt. In Studien wurde eine antioxidative und zellschützende Funktion des Ingwers beobachtet. Des Weiteren wurden antitumorale und krebshemmende Eigenschaften gezeigt.

Weihrauch

Der Weihrauch (Boswellia) wird von der ESCOP bei schmerzhafter Gelenksarthritis und zur symptomatischen Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen empfohlen. In der ayurvedischen Medizin wird Weihrauch bereits seit mehreren Tausend Jahren etwa bei Arthritis, rheumatischen Erkrankungen oder Muskel- und Gelenksbeschwerden verwendet. Der entzündungshemmende Wirkstoff Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure (AKBA) wurde 1991 von dem Tübinger Pharmakologen Hermann Ammon isoliert. Ein weiterer, im Weihrauch enthaltener Wirkstoff ist das Incensol. In ihm wird nach Versuchen im Tiermodel eine antidepressive und anxiolytische Wirkung vermutet. Eine antidepressive Wirkung im menschlichen Gehirn wurde bisher noch nicht nachgewiesen.

Diese und noch weitere Heilpflanzen wie zum Beispiel der durchblutungsfördernde Wacholder oder die harzreichen Kieferngewächse können bei entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates Abhilfe schaffen und so die Lebensqualität von Mensch und Tier wieder erheblich steigern. Wichtig dabei ist, die Kräuter in ihrer Anwendung und Wirksamkeit optimal aufeinander abzustimmen und sich bestenfalls immer vom Fachmann dazu beraten zu lassen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Brendieck-Worm, C., & Melzig, M. F. (2018). Phytotherapie in der Tiermedizin. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG.
  • Meszoly, J. (Oktober 2020). Equus Magazine. Von https://equusmagazine.com/lameness/coping-with-arthritis-in-horses-8356 abgerufen
  • Oke, S. (Dezember 2020). theHorse.com. Von Equine Arthritis: https://thehorse.com/wp-content/uploads/2018/04/equine-arthritis-factsheet.pdf abgerufen
  • Reichling, J., Gachnian-Mirtscheva, R., Frater-Schröder, M., Di Carlo, A., & Widmaier, W. (2008). Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. Berlin-Heidelberg: Springer Medizin Verlag.
  • vetepedia. (Dezember 2020). Von Gesundheitsthemen: https://www.vetepedia.de/gesundheitsthemen/pferd/bewegungsapparat/arthrose/?gclid=CjwKCAiA0IXQBRA2EiwAMODil7nqcrvimbOYSsNLhDYK-9KFdYAVAeLfcewUegzU_j83nsbbL34rYBoCqdQQAvD_BwE&cHash=d524d49bde8519fabd2276a7a4f2244f&L=0 abgerufen
  • https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/gelenks-und-knochenerkrankungen/arthrose-gelenkverschleiss-aufhalten-und-behandeln-736915.html
  • https://www.medizin-transparent.at/teufelskralle-arthrose/
  • https://www.medizin-transparent.at/neues-im-kampf-gegen-arthrose/
  • https://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/pferdekrankheiten/arthrose-gelenkverschleis-beim-pferd/
  • https://www.pferderevue.at/magazin/gesundheit_medizin/2017/11/schmerzhafte_winterzeitwaspferdenmitarthrosejetztguttut.html
  • https://arzneipflanzenlexikon.info/
  • https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2006/daz-24-2006/uid-16041
  • https://www.andi-und-alex.at/curcuma-curcuma-longa/
  • https://www.andi-und-alex.at/ingwer-zingiber-officinale/
ewalia-magic-tipps/arthrose-pferd

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